Menschen fragen mich häufig, mit welchem therapeutischen Ansatz ich arbeite. Meine Arbeit verbindet drei Perspektiven: die humanistische und personenzentrierte Haltung nach Carl Rogers, die systemische Therapie und die Emotionsfokussierte Therapie, kurz EFT.
Ich erlebe diese Ansätze nicht als voneinander getrennte Methoden. Vielmehr ergänzen sie sich und prägen gemeinsam mein Verständnis davon, was Menschen für ein gesundes Leben benötigen, wie emotionale Belastungen entstehen und wie Veränderung in der Therapie möglich wird.
Der humanistische Ansatz richtet den Blick auf den Menschen. Die systemische Therapie hilft, die Muster und Lebensbedingungen zu verstehen, in denen dieser Mensch lebt. Die Emotionsfokussierte Therapie verbindet die innere emotionale Welt mit unseren wichtigsten Beziehungen.
Es geht damit um drei eng miteinander verbundene Ebenen:
den Menschen, das Muster und die Bindung.
Meine Verbindung zum personenzentrierten Ansatz begann bereits während meiner frühen praktischen Erfahrungen nach meinem Masterstudium der Psychologie. Dazu gehörten ein Praktikum in Mamelodi und meine Arbeit im Umfeld der South African Depression and Anxiety Group und ihrer Suizid-Krisenhilfe.
In diesem Kontext begegnete ich der Arbeit von Carl Rogers. Seine Haltung sprach mich unmittelbar an, weil sie nicht die Diagnose, die Erkrankung oder das Problem in den Mittelpunkt stellte, sondern den Menschen selbst.
Rogers vertraute darauf, dass Menschen eine grundlegende Fähigkeit zu Wachstum und Veränderung besitzen. Diese kann sich besonders dann entfalten, wenn sie sich in einer echten Beziehung verstanden, angenommen und nicht bewertet fühlen.
Das entsprach sehr stark der Art, wie ich Menschen begegnen wollte. Ich sehe Therapie nicht als einen Prozess, in dem ein Experte von außen entscheidet, was mit einem Menschen nicht stimmt, und anschließend eine Lösung vorgibt.
Die Aufgabe der Therapeutin besteht für mich nicht darin, einen Menschen zu reparieren. Sie besteht darin, ihn auch in schwierigen und schmerzhaften Erfahrungen zu begleiten und gemeinsam zu verstehen, was in ihm geschieht.
Wenn Menschen sich wirklich verstanden fühlen, können sie häufig beginnen, sich selbst mit mehr Offenheit und Mitgefühl zu begegnen. Dadurch werden ihre eigenen Fähigkeiten, Werte und möglichen Wege nach vorn wieder zugänglicher.
Nach meinem Psychologiestudium absolvierte ich eine weitere Ausbildung in systemischer Therapie und systemischem Coaching an einem deutschen Institut.
Die systemische Perspektive faszinierte mich, weil sie die Vorstellung infrage stellt, dass Menschen und ihre Schwierigkeiten losgelöst von ihrem Umfeld verstanden werden können.
Wir werden durch unsere Familien, Partnerschaften, Freundschaften, Arbeitswelten und gesellschaftlichen Lebensbedingungen geprägt. Auch Kultur, Herkunft, Sprache, Geschlecht, Sexualität, soziale Position und Erfahrungen von Zugehörigkeit oder Ausgrenzung beeinflussen, wie wir uns selbst und andere erleben.
Während meiner Zeit in Südafrika beschäftigte ich mich zunehmend mit gesellschaftlichen Strukturen, Intersektionalität, Rassismus, Geschlechterrollen und unterschiedlichen sozialen Lebensrealitäten. Auch die südafrikanische Philosophie des Ubuntu prägte mein Denken: die Vorstellung, dass wir durch andere Menschen zu dem werden, was wir sind.
Dies verstärkte meine Skepsis gegenüber einem rein individualistischen Therapieverständnis. Manchmal wird vermittelt, dass ein einzelner Mensch lediglich seine Gedanken verändern, resilienter werden oder intensiver an sich arbeiten müsse – und dann werde alles gut.
Doch nicht jedes Leiden entsteht ausschließlich im Inneren eines Menschen.
Menschen können verständlich auf unsichere Beziehungen, belastende Familien, Diskriminierung, wirtschaftlichen Druck, Überforderung oder gesellschaftliche Ausschlüsse reagieren. Therapie sollte ihnen helfen, Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Sie sollte ihnen aber nicht die alleinige Verantwortung für Bedingungen übertragen, die auch durch ihr Umfeld entstehen oder aufrechterhalten werden.
Der systemische Ansatz richtet den Blick außerdem auf Ressourcen. Er fragt nicht nur nach Problemen, sondern auch danach, was Menschen bereits bewältigt haben, welche Stärken sie besitzen, wann das Problem weniger stark auftritt und welche Beziehungen oder Erfahrungen sie unterstützen.
Eine zentrale Idee der systemischen Therapie ist, dass sich zwischen Menschen wiederkehrende Interaktionsmuster entwickeln können.
Ein Mensch reagiert auf den anderen. Der andere antwortet auf diese Reaktion. Seine Antwort verstärkt wiederum die ursprüngliche Angst oder Unsicherheit des ersten Menschen. So entsteht ein Kreislauf, der sich zunehmend selbst aufrechterhält.
Ein Partner kritisiert beispielsweise, weil er Angst hat, die Verbindung zu verlieren. Der andere fühlt sich von der Kritik überwältigt und zieht sich zurück. Dieser Rückzug verstärkt wiederum die Verlustangst des ersten Partners, der daraufhin noch stärker protestiert oder kritisiert.
Keiner der beiden hat dieses Muster allein erschaffen. Beide leiden darunter, und dennoch tragen beide unbewusst dazu bei, dass es bestehen bleibt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Wer von uns ist das Problem?“
Sondern:
„In welchem Muster sind wir gefangen?“
Wenn das Muster zum gemeinsamen Problem wird, können Menschen beginnen, miteinander statt gegeneinander nach Veränderung zu suchen.
Meine wachsende Leidenschaft für die Paartherapie führte mich zur Emotionsfokussierten Therapie nach Dr. Sue Johnson.
Ich lernte ihre Arbeit zunächst über das Buch Hold Me Tight kennen. Ihre Perspektive auf Bindung und Beziehungen half mir zu verstehen, wie Menschen sich gegenseitig verletzen können, obwohl sie häufig beide versuchen, Nähe, Sicherheit und Verständnis herzustellen.
EFT zeigt, wie unsere emotionalen Erfahrungen, Bindungsängste und Beziehungsmuster miteinander verbunden sind. Wenn sich eine wichtige Beziehung unsicher anfühlt, reagiert unser Nervensystem häufig sehr schnell.
Wir kritisieren, kontrollieren, passen uns an oder ziehen uns zurück. Diese Reaktionen sind oft keine festen Charaktereigenschaften, sondern erlernte Schutzstrategien.
Gleichzeitig lösen unsere Schutzreaktionen wiederum Reaktionen bei anderen Menschen aus. So entstehen Dynamiken, in denen beide Partner genau das Gegenteil von dem erhalten, was sie sich eigentlich wünschen.
Die Emotionsfokussierte Therapie verbindet dabei die Ansätze, die meine Arbeit bereits geprägt hatten. Von Rogers übernimmt sie die Bedeutung von Empathie, echter Beziehung und emotionaler Erfahrung. Aus der systemischen Therapie übernimmt sie den Blick auf sich selbst verstärkende Interaktionsmuster. Die Bindungstheorie ergänzt das Verständnis, dass sichere emotionale Beziehungen ein grundlegendes menschliches Bedürfnis darstellen.
Innere Erfahrungen und zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich daher nicht voneinander trennen. Was wir fühlen, prägt, wie wir auf andere zugehen. Und wie andere uns begegnen, prägt wiederum unser inneres Erleben.
Ein gesundes Leben bedeutet für mich nicht, keine schwierigen Gefühle, Konflikte oder Krisen mehr zu erleben.
Gesundheit bedeutet vielmehr, mit sich selbst verbunden bleiben zu können. Es bedeutet, Gefühle wahrzunehmen, ihre Bedeutung zu verstehen und auf die eigenen Bedürfnisse einzugehen, ohne die Bedürfnisse anderer aus dem Blick zu verlieren.
Ein gesundes und erfülltes Leben braucht außerdem tragfähige Beziehungen, Möglichkeiten zur Selbstbestimmung, Zugehörigkeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles beitragen zu können.
Psychische und emotionale Belastungen verstehe ich grundsätzlich nicht als Beweis dafür, dass mit einem Menschen etwas falsch ist.
Angst kann ein Alarmsystem sein, das gelernt hat, ständig wachsam zu bleiben. Rückzug kann ein Schutz sein, wenn Nähe früher unsicher war. Perfektionismus kann dazu gedient haben, Anerkennung zu erhalten oder Kritik zu vermeiden. Übermäßige Anpassung kann einmal der beste Weg gewesen sein, Zugehörigkeit zu bewahren.
Diese Reaktionen können heute schmerzhaft und einschränkend sein. Sie sind jedoch meist nicht ohne Grund entstanden.
Nachhaltige Veränderung beginnt deshalb häufig nicht mit Verurteilung, sondern mit Verständnis.
Veränderung entsteht nicht nur durch Erkenntnis oder gute Ratschläge.
Menschen können genau wissen, warum sie ängstlich, defensiv oder zurückgezogen reagieren, und trotzdem in entscheidenden Momenten dieselbe Reaktion wiederholen.
Therapie sollte deshalb neue emotionale und zwischenmenschliche Erfahrungen ermöglichen.
Veränderung kann geschehen, wenn ein Mensch bei einem Gefühl bleibt, das er bisher vermeiden musste, und erlebt, dass es aushaltbar ist. Sie kann geschehen, wenn jemand ein verletzliches Bedürfnis ausdrückt und Verständnis statt Zurückweisung erfährt. Sie kann geschehen, wenn ein Paar erkennt, dass nicht der Partner der Gegner ist, sondern der gemeinsame Konfliktkreislauf.
Meine Aufgabe besteht darin, solche Momente zu verlangsamen und gemeinsam zu erkunden, was emotional, körperlich und zwischenmenschlich geschieht.
Ich biete dabei Wissen, Fragen, Struktur und therapeutische Begleitung. Ich sehe mich jedoch nicht als die Person, die die richtige Antwort für das Leben eines anderen Menschen besitzt.
Die Klienten bleiben die Experten für ihre eigene gelebte Erfahrung.
Das Ziel von Therapie ist nicht, dass Menschen dauerhaft therapeutische Begleitung benötigen.
Ich wünsche mir, dass Klienten ihre emotionalen Signale früher wahrnehmen und besser verstehen können, wovor ihre Reaktionen sie schützen wollen. Sie sollen lernen, zwischen einem alten Alarmsignal und einer gegenwärtigen Gefahr zu unterscheiden.
Sie sollen Bedürfnisse und Grenzen ausdrücken können, ohne automatisch zu glauben, dadurch ihre Beziehungen zu gefährden. Gleichzeitig sollen sie Verantwortung dafür übernehmen können, wie ihr Verhalten andere Menschen beeinflusst.
Für Paare bedeutet dies, dass sie ihren gemeinsamen Kreislauf erkennen, bevor er die Kontrolle übernimmt. Sie sollen sagen können:
„Unser Muster beginnt gerade wieder.“
Statt:
„Du bist das Problem.“
Ich wünsche mir, dass sie sich klarer aufeinander zubewegen, hinter Schutzreaktionen die eigentlichen Ängste und Bedürfnisse wahrnehmen und Momente der Distanz wieder reparieren können.
Letztlich sollen Klienten die therapeutische Arbeit selbstständig in ihrem Alltag fortsetzen können: wahrnehmen, fühlen, reflektieren, kommunizieren, entscheiden und wieder Verbindung herstellen.
Die humanistischen Prinzipien nach Carl Rogers, die systemische Therapie und die Emotionsfokussierte Therapie teilen für mich eine gemeinsame Grundhaltung.
Carl Rogers erinnert mich daran, beim Menschen zu beginnen und auf die Kraft von Empathie, Echtheit und Akzeptanz zu vertrauen.
Die systemische Therapie erinnert mich daran, Menschen nicht von ihren Beziehungen, Lebensbedingungen und gesellschaftlichen Kontexten zu trennen.
Die Emotionsfokussierte Therapie verbindet die innere emotionale Welt mit unseren Beziehungsmustern und unserem grundlegenden Bedürfnis nach sicherer Bindung.
Gemeinsam spiegeln diese Ansätze wider, was ich über Menschen glaube:
Wir sind keine isolierten Probleme, die repariert werden müssen.
Wir sind emotionale, relationale und kontextgebundene Wesen.
Wir werden durch Beziehungen geprägt – und wir können auch durch Beziehungen heilen.
Bowlby, J. (1988). A Secure Base: Parent-Child Attachment and Healthy Human Development. Basic Books.
Brubacher, L. L. (2017). Stepping into Emotionally Focused Couple Therapy: Key Ingredients of Change. Karnac Books.
Johnson, S. M. (2008). Hold Me Tight: Seven Conversations for a Lifetime of Love. Little, Brown Spark.
Johnson, S. M. (2019). Attachment Theory in Practice: Emotionally Focused Therapy with Individuals, Couples, and Families. Guilford Press.
Rogers, C. R. (1951). Client-Centered Therapy: Its Current Practice, Implications and Theory. Houghton Mifflin.
Rogers, C. R. (1961). On Becoming a Person: A Therapist’s View of Psychotherapy. Houghton Mifflin.
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