Reflect with Juliane

Therapie, Beratung und Krankenkasse in Deutschland: Was du wissen solltest

Deine Erfahrung und Erlebnisse sowie deine Ziele stehen für mich an erster Stelle

1. Bezahlt die Krankenkasse Therapie in Deutschland?

Grundsätzlich ja – allerdings kommt es darauf an, welche Art von Therapie gemeint ist und wer sie anbietet.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ambulante Psychotherapie, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt und die Voraussetzungen der Psychotherapie-Richtlinie erfüllt sind. Dazu gehören beispielsweise Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen oder bestimmte Reaktionen auf schwere Belastungen.

Wichtig ist jedoch: Nicht jedes therapeutische oder beratende Gespräch ist automatisch eine Psychotherapie im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung.

Beratung bei Lebensfragen, Beziehungsproblemen, persönlichen Veränderungen oder familiären Schwierigkeiten ist grundsätzlich etwas anderes als die heilkundliche Behandlung einer psychischen Erkrankung.

2. Ist Systemische Therapie eine Kassenleistung?

Hier entsteht besonders häufig Verwirrung.

Ja, Systemische Therapie ist in Deutschland ein anerkanntes Psychotherapieverfahren und gehört mittlerweile zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Person mit einer Ausbildung in Systemischer Therapie automatisch Psychotherapeut:in ist oder Systemische Psychotherapie mit der Krankenkasse abrechnen kann.

Für eine Psychotherapie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung müssen entsprechende psychotherapeutische Qualifikationen und Voraussetzungen sowie die erforderliche Berechtigung zur Behandlung und Abrechnung vorliegen.

Deshalb ist es wichtig, zwischen dem Verfahren „Systemische Therapie“ innerhalb der Psychotherapie und einer systemischen therapeutischen oder beratenden Begleitung außerhalb der Psychotherapie zu unterscheiden.

3. Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapie und systemischer Beratung oder Begleitung?

Vereinfacht gesagt dient Psychotherapie im Gesundheitssystem der Behandlung psychischer Erkrankungen.

Wenn beispielsweise eine Depression, Angststörung, Essstörung oder eine andere behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegt, kann Psychotherapie dazu dienen, diese Erkrankung gezielt zu behandeln.

Systemische Beratung und therapeutische Begleitung kann dagegen für Menschen sinnvoll sein, die grundsätzlich in ihrem Alltag stehen und funktionieren, aber Unterstützung bei bestimmten Herausforderungen, Veränderungen oder Entwicklungsprozessen suchen.

Das können beispielsweise Fragen sein wie:

Warum gerate ich immer wieder in ähnliche Beziehungsmuster?

Wie möchte ich mein Leben eigentlich gestalten?

Wie gehe ich mit einer schwierigen beruflichen oder privaten Veränderung um?

Wie können wir als Paar besser miteinander kommunizieren?

Wie gehe ich mit Konflikten innerhalb meiner Familie um?

Wie kann ich meine Bedürfnisse, Emotionen und Grenzen besser verstehen?

Hier geht es nicht zwingend um die Behandlung einer Erkrankung.

Es kann vielmehr darum gehen, sich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln, Beziehungen zu verändern und konkrete Möglichkeiten für den eigenen Umgang mit schwierigen Situationen zu erarbeiten.

4. Wo ordnet sich meine Arbeit ein?

Diese Unterscheidung ist auch für meine eigene Arbeit wichtig.

Ich bin Juliane Hoss, systemische Therapeutin und Familientherapeutin mit einem Masterabschluss in Psychologie.

Ich bin in Deutschland keine Psychotherapeutin.

Das bedeutet: Meine Arbeit in Deutschland ist keine heilkundliche Psychotherapie und ersetzt keine notwendige psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung.

Ich arbeite vielmehr mit Menschen, Paaren und Familien, die grundsätzlich in ihrem Leben stehen, aber an bestimmten Themen arbeiten möchten oder sich in einer herausfordernden Lebensphase zusätzliche professionelle Unterstützung wünschen.

Menschen kommen beispielsweise zu mir, wenn sie ihre eigenen Muster besser verstehen möchten, an ihrer Beziehung arbeiten wollen, Schwierigkeiten innerhalb ihrer Familie erleben, beruflich unter Druck stehen, vor wichtigen Entscheidungen stehen oder sich persönlich weiterentwickeln möchten.

Dabei arbeite ich unter anderem mit systemischen, emotions- und bindungsorientierten Ansätzen.

5. Muss ich psychisch krank sein, um mir Unterstützung zu suchen?

Nein.

Das ist vielleicht eine der wichtigsten Unterscheidungen.

Man muss nicht erst psychisch erkranken, bevor man sich professionelle Unterstützung suchen darf.

Manchmal funktioniert unser Leben von außen betrachtet gut und trotzdem merken wir:

Ich komme bei einem bestimmten Thema alleine nicht weiter.

Vielleicht wiederholen sich dieselben Konflikte in einer Partnerschaft. Vielleicht fällt es schwer, Grenzen zu setzen oder die eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen. Vielleicht steht eine große berufliche oder private Veränderung bevor. Oder man möchte verstehen, warum bestimmte Situationen immer wieder dieselben starken emotionalen Reaktionen auslösen.

Professionelle Begleitung kann dann einen Raum schaffen, um innezuhalten, Muster sichtbar zu machen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Dabei steht nicht die Frage „Welche Erkrankung muss behandelt werden?“ im Mittelpunkt, sondern beispielsweise:

„Was passiert gerade in meinem Leben – und wie möchte ich damit umgehen?“

6. Was ist, wenn ich auf einen Psychotherapieplatz warte?

Auch diese Situation erleben viele Menschen.

Wenn bereits feststeht oder der Verdacht besteht, dass eine psychische Erkrankung vorliegt, sollte eine notwendige Psychotherapie durch eine entsprechend qualifizierte Psychotherapeutin oder einen entsprechend qualifizierten Psychotherapeuten nicht durch Beratung ersetzt werden.

Eine begleitende Beratung kann unter bestimmten Umständen jedoch dabei helfen, die Zeit bis zu einem Therapieplatz zu überbrücken und einen besseren Umgang mit der aktuellen Situation zu entwickeln.

Hier ist die Abgrenzung besonders wichtig.

Wenn du mit einer bestehenden psychischen Erkrankung zu mir kommst, behandle ich nicht die Erkrankung selbst.

Wir können stattdessen beispielsweise gemeinsam darauf schauen, wie du deinen Alltag im Moment gestalten kannst, welche Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten dir zur Verfügung stehen, wie du mit bestimmten Belastungen umgehen kannst oder wie du wichtige Menschen in deinem Umfeld einbeziehen möchtest.

Das Ziel ist in diesem Fall nicht die Heilung oder psychotherapeutische Behandlung der Erkrankung, sondern Unterstützung im Umgang mit der aktuellen Lebenssituation.

Eine notwendige psychotherapeutische, psychiatrische oder medizinische Behandlung sollte parallel gesucht beziehungsweise fortgeführt werden.

7. Bezahlt die gesetzliche Krankenkasse systemische Beratung oder Paar- und Familienberatung?

In der Regel nicht.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Psychotherapie zur Behandlung psychischer Erkrankungen unter den dafür vorgesehenen Voraussetzungen.

Reine Erziehungs-, Ehe-, Lebens- oder Sexualberatung gehört dagegen nicht zu den Leistungen der ambulanten Psychotherapie der gesetzlichen Krankenversicherung.

Das bedeutet beispielsweise auch: Wenn ein Paar an seiner Kommunikation, Nähe, Konfliktmustern oder Beziehung arbeiten möchte, ohne dass es um die psychotherapeutische Behandlung einer psychischen Erkrankung geht, ist dies grundsätzlich keine von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierte Psychotherapie.

Solche Angebote müssen deshalb häufig selbst bezahlt werden oder können gegebenenfalls über andere Beratungsangebote in Anspruch genommen werden.

8. Und was ist mit privaten Krankenversicherungen?

Bei einer privaten Krankenversicherung hängt die Erstattung von deinem individuellen Tarif und Vertrag ab.

Deshalb solltest du vor Beginn der Begleitung direkt bei deiner Versicherung nachfragen, welche Leistungen übernommen werden und welche Qualifikation die behandelnde oder beratende Person dafür nachweisen muss.

Wichtig ist dabei, die Leistung korrekt zu beschreiben.

Wenn es sich um systemische Beratung beziehungsweise therapeutische Begleitung und nicht um heilkundliche Psychotherapie handelt, sollte dies auch gegenüber der Versicherung transparent so angegeben werden.

Ob deine private Krankenversicherung oder eine Zusatzversicherung dafür Kosten übernimmt, entscheidet letztlich die jeweilige Versicherung auf Grundlage deines Vertrages.

9. Welche Form der Unterstützung brauche ich?

Eine hilfreiche Ausgangsfrage ist:

Was brauche ich gerade eigentlich?

Habe ich starke oder anhaltende psychische Beschwerden? Besteht möglicherweise eine psychische Erkrankung? Benötige ich eine Diagnose oder gezielte Behandlung? Gibt es Suizidgedanken oder eine akute psychische Krise? Brauche ich möglicherweise Medikamente?

Dann ist es wichtig, dich an entsprechend qualifizierte psychotherapeutische, psychiatrische oder ärztliche Fachpersonen zu wenden.

Oder stehst du grundsätzlich in deinem Alltag, merkst aber, dass du bei einem Thema professionelle Unterstützung möchtest?

Vielleicht geht es um deine Beziehung, deine Familie, deinen Beruf, Stress, eine wichtige Entscheidung, wiederkehrende Konflikte oder eine große Veränderung. Vielleicht möchtest du deine Emotionen und Verhaltensmuster besser verstehen oder bewusster entscheiden, wie du dein Leben und deine Beziehungen gestalten möchtest.

Dann kann eine systemische therapeutische oder beratende Begleitung eine Möglichkeit sein.

10. Psychotherapie und Beratung müssen keine Gegensätze sein

Es muss dabei nicht immer um ein Entweder-oder gehen.

Menschen können in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Formen professioneller Unterstützung benötigen.

Manchmal brauchen wir Behandlung.

Manchmal brauchen wir Beratung.

Manchmal möchten wir uns persönlich weiterentwickeln.

Und manchmal benötigen wir während oder nach einer schwierigen Lebensphase zusätzliche Unterstützung dabei, das Gelernte in unseren Alltag, unsere Beziehungen und unsere Entscheidungen zu integrieren.

Entscheidend ist, dass transparent bleibt, welche Unterstützung angeboten wird, welche Qualifikation die Person hat und wo die Grenzen dieser Unterstützung liegen.

Für meine eigene Arbeit bedeutet das:

Ich bin systemische Therapeutin und Familientherapeutin, aber keine Psychotherapeutin in Deutschland.

Ich biete deshalb keine heilkundliche Psychotherapie zur Behandlung psychischer Erkrankungen an.

Was ich anbiete, ist ein professioneller Raum für Reflexion, persönliche Entwicklung, Beziehungen, Familien, Veränderungsprozesse und den Umgang mit herausfordernden Lebenssituationen.

Und manchmal kann genau das die Unterstützung sein, die ein Mensch gerade braucht.

Häufige Fragen (FAQ)

 

 

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