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Warum Konflikte mit den Liebsten so explosiv sind – und wie wir sie lösen können

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Warum Konflikte mit den Liebsten so explosiv sind – und wie wir sie lösen können

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein wirkungsvolles Werkzeug, um Konflikte in Verständnis und Verbindung zu verwandeln. Indem wir uns auf Gefühle, Bedürfnisse und das eigentliche Thema konzentrieren, hilft sie, reaktive Muster zu durchbrechen und gesündere Beziehungen zu fördern.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Streit oder Konflikte mit den Menschen, die uns am nächsten am Herzen liegen, besonders schwer und oft explosiv sind? Warum stoßen unsere Bemühungen zu kommunizieren trotz bester Absichten immer wieder auf eine Wand – sei es in Form von Kritik, Sarkasmus, Vermeidung oder Abwehr? Was können wir tun, um das zu ändern? In diesem Blog erfahren Sie, warum Kommunikation in stressigen Momenten häufig scheitert und wie Gewaltfreie Kommunikation (GFK) uns dabei helfen kann, Verbindung herzustellen, Konflikte zu lösen und Verständnis mit den Menschen aufzubauen, die uns am meisten am Herzen liegen.

Warum Kommunikation oft scheitert: Einblicke von Virginia Satir
Virginia Satir (1916–1988) war eine Pionierin der Familientherapie und untersuchte, wie Kommunikationsmuster Beziehungen prägen. Sie stellte fest, dass jeder Konflikt drei zentrale Elemente hat: du, ich und das Thema. Gesunde Kommunikation erfordert, dass alle drei Elemente gleichzeitig berücksichtigt werden.

Im Laufe ihrer jahrzehntelangen Arbeit beobachtete Satir, dass Menschen, die sich bedroht, verletzt oder gestresst fühlen, häufig nicht in der Lage sind, alle drei Elemente gleichzeitig einzubeziehen. Stattdessen fallen sie in eines von vier häufigen Mustern, die jeweils nur ein Element fokussieren – oder alle vollständig meiden:

  1. Beschuldigen – den Fokus auf die andere Person („du“) richten und ihr Fehlverhalten hervorheben.
  2. Beschwichtigen – den Fokus auf sich selbst („ich“) richten, um Konflikte zu vermeiden oder zu beschwichtigen.
  3. Übervernünftig/Intellektualisieren – sich ausschließlich auf das Thema konzentrieren und emotionalen Abstand wahren.
  4. Irrelevant/Ablenkend – alle drei Elemente meiden und vom Konflikt ablenken.

Später nannte Satir diese Muster Überlebenshaltungen, weil wir sie in stressreichen Konfliktsituationen mit den Menschen einsetzen, die uns am meisten bedeuten. Dies erklärt, warum Streit mit geliebten Menschen oft so intensiv oder explosiv wirkt: Sobald jemand in eine dieser Stressreaktionen fällt, ist es nahezu unmöglich, ihn zu erreichen oder den Konflikt zu lösen. Keine dieser Reaktionen ist „besser“ als die anderen – sie sind erlernte Schutzmechanismen, die uns emotional sichern, aber echtes Verständnis und Verbindung verhindern.

Die drei Elemente gesunder Kommunikation
Damit Kommunikation oder Konfliktlösung konstruktiv ist, müssen alle drei Elemente gleichzeitig berücksichtigt werden:

  • Ich und meine Bedürfnisse – ehrlich ausdrücken, was ich fühle und brauche.
  • Du und deine Bedürfnisse – aufmerksam zuhören und verstehen, was der andere fühlt und braucht.
  • Das Thema – sich auf das eigentliche Problem konzentrieren, ohne alte Vorwürfe oder defensive Muster einzubeziehen.

Nur wenn alle drei Elemente zusammenkommen, können Gespräche Probleme lösen, Verständnis schaffen und Nähe stärken.

Wie Gewaltfreie Kommunikation hilft
Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK), entwickelt von Marshall Rosenberg, bietet eine strukturierte Methode, um dieses Gleichgewicht zu erreichen. GFK lehrt uns:

  1. Beobachten ohne Bewertung – die Situation sachlich beschreiben, ohne Vorwürfe hinzuzufügen.
  2. Gefühle erkennen und ausdrücken – die Emotionen benennen, die die Situation in uns auslöst.
  3. Bedürfnisse dahinter benennen – die menschlichen Bedürfnisse hinter den Gefühlen ausdrücken.
  4. Bitten statt Forderungen stellen – klar um Handlungen bitten, die die Bedürfnisse erfüllen könnten, ohne Druck auszuüben.

GFK berücksichtigt alle drei Elemente gesunder Kommunikation und hilft, reaktive Muster wie die von Satir beschriebenen zu durchbrechen. Indem wir uns auf Gefühle, Bedürfnisse und Bitten konzentrieren, können beide Parteien konstruktiv agieren, anstatt in Beschuldigung, Beschwichtigung, Intellektualisierung oder Ablenkung zu verfallen.

Zusammenfassung und praktische Anwendung
Gewaltfreie Kommunikation bedeutet nicht, „nett“ zu sein oder Konflikte zu vermeiden – sie bedeutet, klar, ehrlich und einfühlsam zu sein. Praktisch umgesetzt heißt das:

  • Einen Moment innehalten und eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen.
  • Situationen sachlich und wertfrei beobachten.
  • Gefühle und Bedürfnisse klar ausdrücken.
  • Dem anderen aktiv und empathisch zuhören.
  • Handlungsbitten stellen, statt Forderungen zu stellen.

Mit der Zeit kann die Kombination von GFK und dem Wissen über Satirs Stressmuster Interaktionen von reaktiv und defensiv zu konstruktiv und verbunden transformieren – für mehr Verständnis, tiefere Verbindung und gesündere Beziehungen.

Literaturverzeichnis

Rosenberg, M. B. (2015). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens (3. Aufl.). PuddleDancer Press.

Satir, V., Banmen, J., Gerber, J., & Gomori, M. (1991). Das Satir-Modell: Familientherapie und darüber hinaus. Science and Behavior Books.

Rosenberg, M. B. (2012). Frieden sprechen in einer Welt der Konflikte: Was Sie als Nächstes sagen, wird Ihre Welt verändern. PuddleDancer Press.

Gibb, G. S., & Carroll, S. A. (2017). Virginia Satir und die Entwicklung der Familientherapie. Journal of Family Therapy, 39(3), 297–314. https://doi.org/10.1111/1467-6427.12145

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