Was sind zugrunde liegende Überzeugungen?
Zugrunde liegende Überzeugungen sind die inneren Geschichten, die wir uns darüber erzählen, wer wir sind, wie Beziehungen funktionieren und was die Welt von uns erwartet.
Sie zeigen sich vor allem in der Art, wie wir innerlich mit uns selbst sprechen. Wenn wir ehrlich sind, ist die Person, mit der wir die meisten Gespräche führen, wir selbst. Ob wir unseren Tag planen, Routinen nachgehen, auf kleine Alltagsereignisse reagieren, große Lebensveränderungen bewältigen oder tiefe Emotionen verarbeiten – vieles davon geschieht innerlich. Viele von uns leben in Gesellschaften, die durch westliche oder neoliberale Werte geprägt sind und Denken, Analysieren und Sprache stark betonen. Dadurch erleben wir das Leben oft stärker über unseren Verstand als über unseren Körper oder unsere Emotionen. Genau hier findet das innere Stimmengewirr statt, und dieses wird von unseren zugrunde liegenden Überzeugungen geprägt. Entscheidend ist, die Macht dessen zu erkennen, was in uns geschieht, denn daraus folgt auch die Möglichkeit, Veränderung von innen heraus zu gestalten. Das ist eine zentrale Grundlage therapeutischer Arbeit.
Warum ist es wichtig, zugrunde liegende Überzeugungen zu erkennen?
Zugrunde liegende Überzeugungen prägen, wie wir uns selbst, andere Menschen und die Situationen erleben, in denen wir uns befinden.
Erleben entsteht nicht ausschließlich durch äußere Ereignisse, sondern durch das Zusammenspiel von Außenwelt und Innenwelt. Unsere Überzeugungen beeinflussen, wie wir Ereignisse interpretieren. Stress ist dafür ein gutes Beispiel. Er entsteht nicht nur durch das, was passiert, sondern durch die Bedeutung, die wir dem Geschehen geben. Eine Anforderung bei der Arbeit wird dann zu Stress, wenn wir uns sagen, dass es keine Alternative gibt, dass alles perfekt sein muss und dass Scheitern keine Option ist. Der Stress verstärkt sich, wenn wir glauben, die Erwartungen seien unrealistisch, wir könnten andere enttäuschen oder Chancen seien knapp und dürften nicht verloren gehen. Überzeugungen wie „Ich muss perfekt sein“, „Ich bin nicht gut genug“ oder „Andere kommen damit besser zurecht“ formen unser Erleben maßgeblich.
Wie zugrunde liegende Überzeugungen beeinflussen, wie sich unser Leben entfaltet
Zugrunde liegende Überzeugungen bestimmen unsere Reaktionen, und diese Reaktionen beeinflussen wiederum, was als Nächstes geschieht.
Nichts, was wir erleben, ist nur das, was um uns herum passiert. Unser Erleben umfasst auch, wie wir Ereignisse wahrnehmen, verarbeiten und interpretieren und wie wir darauf reagieren. Unsere Reaktionen wirken zurück auf unser Umfeld und auf andere Menschen und erzeugen so einen Kreislauf. Einer meiner Mentoren hat mir während meines Studiums einen Satz mitgegeben, der mich bis heute begleitet: „Juliane, es gibt eine sehr interessante Dynamik zwischen dem, was die Welt dir bringt, und dem, was du in die Welt bringst. Unterschätze niemals einen dieser beiden Anteile.“ Unser Leben entfaltet sich in dieser fortlaufenden Wechselwirkung zwischen innerer und äußerer Welt.
Wie zugrunde liegende Überzeugungen Wohlbefinden und Gesundheit beeinflussen
Wenn zugrunde liegende Überzeugungen zu dauerhafter Selbstunterdrückung führen, können sie emotionale und körperliche Gesundheit erheblich beeinträchtigen.
Oft führen sie zu ungesunden Mustern, darunter auch Verhaltensweisen, die zunächst akzeptabel oder sogar positiv erscheinen, wie zum Beispiel es allen recht machen zu wollen. Mit der Zeit verlangen diese Muster jedoch, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse und Gefühle zurückstellen. Unterdrückte Emotionen verschwinden nicht, sondern stauen sich an und zeigen sich häufig in gedrückter Stimmung, emotionaler Schwere, kreisenden Gedanken oder körperlichen Symptomen und Erkrankungen. Diese Muster stellen ein ernstzunehmendes Risiko für unser Wohlbefinden dar und wirken als versteckte Stressoren, die großen Einfluss haben, aber oft unbemerkt bleiben.
Was formt zugrunde liegende Überzeugungen?
Zugrunde liegende Überzeugungen entstehen meist früh in der Kindheit durch Beobachtung, Bindungserfahrungen und gelebte Beziehungen, weniger durch direkte Anweisungen.
Als Kinder sind wir sehr aufmerksam und nehmen auf, was um uns herum geschieht, und nutzen es als Orientierung dafür, wie wir in dieser Welt sein sollen. Was wir beobachten, prägt uns häufig stärker als das, was uns gesagt wird. Wir übernehmen oft die Art und Weise, wie unsere Bezugspersonen mit sich selbst umgehen und innerlich mit sich sprechen. Deshalb kann jemand sehr hart zu sich selbst sein, obwohl er liebevolle Eltern hatte, wenn diese selbst sehr streng mit sich waren. Solche Muster werden manchmal als „generationale Winde“ beschrieben, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Als Kinder wählen wir diese Winde nicht und können uns nicht vor ihnen schützen, deshalb verinnerlichen wir sie. Das macht deutlich, dass belastende Überzeugungen kein persönliches Versagen sind, sondern aus relationalen und kulturellen Zusammenhängen entstehen.
Kinder haben zudem starke Bindungsbedürfnisse. In frühen Jahren überwiegt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Sicherheit gegenüber dem Wunsch nach Autonomie. Wir passen uns an, um Verbindung aufrechtzuerhalten, und entwickeln dabei Überzeugungen darüber, was von uns erwartet wird. Wenn Kommunikation fehlt, füllen Kinder die Lücken selbst, oft mit selbstabwertenden Erklärungen. So können zugrunde liegende Überzeugungen entstehen, ohne dass sie je ausdrücklich ausgesprochen wurden.
Wie man zugrunde liegende Überzeugungen erkennt
Zugrunde liegende Überzeugungen lassen sich erkennen, indem man wiederkehrende Muster in der eigenen inneren Sprache wahrnimmt.
Hilfreich ist es, sich vorzustellen, der innere Dialog würde aufgezeichnet und verschriftlicht. In dieser „Abschrift“ werden wiederkehrende Themen und Botschaften sichtbar, die direkt auf die zugrunde liegenden Überzeugungen hinweisen.
Wie man mit den Journaling-Übungen arbeitet
Die Journaling-Übungen helfen dabei, unbewusste zugrunde liegende Überzeugungen ins Bewusstsein zu holen.
In jedem Kapitel deiner Transformationsreise identifizierst du Überzeugungen, die zum jeweiligen Thema gehören. Dafür beobachtest du deine Selbstgespräche im Alltag und schreibst sie auf. Diese Gedanken sind oft lang und komplex, weshalb sie anschließend auf einige zentrale Botschaften verdichtet werden. Stell dir vor, all deine Gedanken würden auf drei bis sieben Kernaussagen reduziert. Diese bilden deine zugrunde liegenden Überzeugungen ab. Alternativ können sie auch über den Körper zugänglich werden, zum Beispiel in geführten Meditationen, idealerweise im therapeutischen Rahmen.
Wie man zugrunde liegende Überzeugungen in wertebasierte Affirmationen transformiert
Die bewusste Umwandlung zugrunde liegender Überzeugungen in Affirmationen unterstützt eine gesunde Beziehung zu dir selbst und zu deinem Leben.
Schreibe deine zugrunde liegenden Überzeugungen auf die linke Seite einer Seite und formuliere für jede eine Affirmation auf der rechten Seite, die deinen Werten entspricht und die Beziehung widerspiegelt, die du zu dir selbst entwickeln möchtest. Diese Affirmationen können in deinen Alltag integriert werden, bis sie keiner bewussten Anstrengung mehr bedürfen. Wenn alte Überzeugungen wieder auftauchen, kehre sanft zu den Affirmationen zurück. Mit der Zeit verändert diese Praxis nachhaltig, wie du dich selbst, andere und die Welt erlebst.
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